Januar 2nd, 2012

Berlin – Junge Metropole Europas

Die belebte Geschichte Berlins, vor allem in den Zeiten des Kalten Krieges, hat der Stadt zahlreiche unterschiedliche Gesichter verliehen. Kaum eine andere europäische Metropole hat ein so abwechslungsreiches und differenziertes Stadtbild zu bieten. Dies mag zum einen an der einstigen, jahrzehntelang andauernden Trennung zwischen Ost- und West- Berlin liegen, zum anderen ist es aber auch eine Konsequenz der Lebensweise ihrer Bewohner, die das Stadtbild mitprägen und ständig modifizieren. Einige Stadtteile im Osten Berlins, die in den achtziger Jahren kaum als attraktive Wohngegenden galten, sind heute bevorzugte Kiez-Viertel. Doch nichts bleibt in dieser Stadt lange bestehen und alles ist einem permanenten Wandel unterworfen.

Dies mag wahrscheinlich der Grund sein für den übermäßig großen Hang zur Nostalgie. Bunte DDR- Hühnereierbecher, braune Polstermöbel, Lampen, die bis vor kurzem noch bei Oma hingen, bis diese entschied sich mal etwas Moderneres zu kaufen: all das ist Bestandteil der von jungen Berlinern so enthusiastisch ausgelebten „Ostalgie“.

Im Zuge dieses Trends, entstanden einige ausgefallene Tour-Ideen. Touristen, die Berlin ja mittlerweile auch mit zuletzt genanntem Attribut der „Ostalgie“ in Verbindung bringen, können die Stadt zum Beispiel mit der Trabi-Safari erkunden. Dabei wurde dem guten, alten Trabant ein neuer Anstrich verpasst, der nur noch wenig mit dem zurückhaltendem Hellblau oder Beige zu tun hat. Trotz alledem versprühen die zum Sightseeing-Mobil umfunktionierten Trabanten genau denselben Charme von damals, den der Ostalgiker ja gerade so liebt. Der Besucher der Tour kann das bunte Gefährt selbst fahren, sollte aber dem Tourguide nach bester Jungpioniermanier auf seiner Route folgen. So reiht sich Trabant an Trabant auf dem Weg durch die Stadt: ein Konvoi der Ostalgie. Eine lustige Trabi-Safari, die nicht nur bekannte Sehenswürdigkeiten zu bieten hat, sondern auch den Spaß am Fahren einer Viergang-Revolver-Handschaltung und die Gewissheit, sich nie auffälliger auf den Straßen Berlins bewegt zu haben.

Passend zum Thema fährt man auf der Tour auch an Berlins beliebtesten und gleichzeitig längsten Stück Mauer vorbei: der East Side Gallery. Einige dutzend Künstler haben hier die Mauergeschichten auf die Wand gebracht und wahre Kunstwerke geschaffen. Die East Side Gallery gibt es bereits seit 1990. Seitdem begann der ständige Kampf um den Erhalt der Bilder und die stetige Sanierung dieses Mauerabschnitts. Die East Side Gallery visualisiert die Verbundenheit vieler Berliner zu ihrer Vergangenheit, im Positiven wie im Negativen, und wird zum Erinnerungsort, der zur Identitätsbildung der jungen Metropole beiträgt.

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